Laden im Mehrfamilienhaus – das galt lange als eines der größten Hindernisse für den Durchbruch der Elektromobilität in Innenstädten. Eng begrenzte Netzkapazitäten, aufwendige Abstimmungen in Eigentümergemeinschaften, unklare Zuständigkeiten – all das bremste.
Doch inzwischen hat sich viel getan. Eine Gesetzesänderung erlaubt es Eigentümergemeinschaften nicht mehr, den Einbau einer Ladeeinrichtung grundsätzlich zu verhindern. In einem Mehrfamilienhaus in Celle-Klein Hehlen wird daraus nun ein Vorzeigeprojekt: eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen, einheitliche Ladeinfrastruktur, intelligentes Lastmanagement.
Alina Brügge, Geschäftsführerin von Haus & Grund Celle, und Andreas Tiemann, Geschäftsführer von SVO Tiemann, geben Einblicke in Technik, Überzeugungsarbeit – und warum der richtige Zeitpunkt für den Ausbau jetzt ist.
Herr Tiemann, Frau Brügge – worum geht’s konkret?
Andreas Tiemann: Um eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen. Einzelne Eigentümer bekundeten ihr Interesse an einer Wallbox. Wir haben vorgeschlagen, gleich die komplette Infrastruktur für alle zu schaffen. Das heißt: eine zentrale Kupferschiene als Sammelsystem, von der aus Leitungen zu jedem Stellplatz gelegt werden. Die Eigentümergemeinschaft trägt die Grundinfrastruktur, der einzelne Eigentümer bezahlt Wallbox, Kabel und Sicherung an seinem Platz.
Alina Brügge: Für uns als Verwaltung war wichtig: Alle sollen die Möglichkeit haben, nachzurüsten – auch wenn sie heute noch kein E-Auto fahren.
Wer zuerst ausbaut, sichert sich die besten Voraussetzungen.
– Andreas Tiemann
Wie funktioniert die Technik?
Andreas Tiemann: Herzstück ist ein Lastmanagement. Es verteilt den Ladestrom dynamisch – je nach Bedarf und verfügbaren Kapazitäten ausreichend und gerecht an alle Nutzer, so dass jedes Fahrzeug zum gewünschten Zeitpunkt voll einsatzbereit ist. Abgerechnet wird über ein zentrales Backend-System. Jeder Ladepunkt hat einen eigenen Zähler, der Nutzer hat über eine App auf dem Smartphone volle Transparenz zu Verbrauch und Kosten – natürlich geeicht. Die Freischaltung funktioniert per RFID-Karte oder direkt in der App.
Frau Brügge, wie groß war die Zustimmung der Eigentümer?
Alina Brügge: Erstaunlich groß. 17 Eigentümer haben signalisiert: Wir machen mit. Das ist eine sehr gute Quote. Trotzdem hat es drei Jahre gedauert, bis die Entscheidung stand. In einer Eigentümergemeinschaft braucht es Zeit, Geduld und gute Argumente.
Früh anfangen – Planung und Entscheidungsprozesse brauchen Zeit, insbesondere in Eigentümergemeinschaften.
– Alina Brügge
Welche Hürden gab es?
Alina Brügge: Die typischen Bedenken: Brandschutz, Versicherung, Kosten. Manche sehen für sich keinen Nutzen, wenn sie kein E-Auto haben. Hier spielen das Alter und die unterschiedlichen Prioritäten eine bedeutende Rolle.
Andreas Tiemann: Und das Thema Netzkapazität. In Innenstädten knapp. Wer zuerst ausbaut, sichert sich die besten Voraussetzungen.
Herr Tiemann, welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern – und wie ordnen Sie das Projekt in Celle ein?
Andreas Tiemann: Die Nachfrage steigt rasant. Wir haben schon viele Anlagen in Mehrfamilienhäusern in enger Abstimmung mit Verwaltungen umgesetzt und Fuhrparks von Unternehmen elektrifiziert. Das Besondere an unserem Ansatz: Wir bieten als einer der wenigen Anbieter alles aus einer Hand – vom Lastmanagement über die Abrechnung bis hin zum Netzanschluss. Letzteren setzen wir in Kooperation der Celle-Uelzen Netz GmbH, um. Natürlich ist das Thema auch politisch: Elektromobilität braucht stabile, langfristige Rahmenbedingungen, damit Eigentümer und Mieter Planungssicherheit haben.
Gab es Fördermittel?
Alina Brügge: Ja, wir haben für die Gemeinschaft eine Förderung über den Klimaschutzfonds der Stadt Celle beantragt. Dort sind bis zu 49 Prozent Förderung möglich, im Bereich Elektromobilität bis zu 10 Prozent. Wir warten noch auf die endgültige Zusage.
Und was ist mit einzelnen Eigentümern und Mietern – können die auch eine Wallbox bekommen?
Alina Brügge: Ja, das ist seit der Gesetzesänderung deutlich einfacher. Mieter und Eigentümer können die Zustimmung verlangen, auf eigene Kosten eine Ladeeinrichtung zu installieren. Die Eigentümer können nur aus wichtigen Gründen ablehnen. Wichtig ist: Frühzeitig das Gespräch zu suchen, am besten mit einer klaren Lösung, wie die Installation technisch und organisatorisch umgesetzt wird.
Andreas Tiemann: Aus unserer Erfahrung funktioniert es am besten, wenn Interessierte gleich ein Komplettpaket mitbringen – also nicht nur die Wallbox, sondern auch den Anschluss ans Lastmanagement und die Einbindung in die Abrechnung. Dann weiß der Vermieter: Das läuft sauber, ohne dass er sich kümmern muss.
Wann geht’s los?
Andreas Tiemann: Die Grundinfrastruktur wird jetzt installiert, parallel richten wir das Backend ein. Ende des Jahres wollen wir fertig sein. Wir freuen uns, dass so viele Eigentümer Interesse zeigen, dann lohnt sich die Investition.
Welche Argumente überzeugen Eigentümer, auch wenn sie nicht selbst rumstromern?
Alina Brügge: Für Eigentümer steigert es den Wert der Immobilie und macht sie attraktiver – gerade bei Verkauf oder Vermietung. Und: Wer heute investiert, muss später nicht teurer nachrüsten. Denn wenn alle loslegen, steigen die Preise.
Ein Ladepunkt fürs E-Auto gehört heute einfach dazu.
– Alina Brügge
Ihr Tipp für andere?
Alina Brügge: Früh anfangen. Planung und Entscheidungsprozesse brauchen Zeit, insbesondere in Eigentümergemeinschaften.
Andreas Tiemann: Und gleich an alle denken. Eine gute Infrastruktur rechnet sich über die Jahre – technisch und organisatorisch.
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