Grüne sommerliche Landschaft mit Wäldern.

Merit-Order-Prinzip

Was ist das Merit-Order-Prinzip einfach erklärt?

Das Merit-Order-Prinzip ist ein zentraler Mechanismus des europäischen Strommarktes und beschreibt die Reihenfolge, in der Kraftwerke zur Deckung des aktuellen Strombedarfs eingesetzt werden. Dabei kommen zunächst die Kraftwerke zum Einsatz, die eine zusätzliche Menge Strom besonders günstig erzeugen können. Erst wenn deren Strom nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken, werden nach und nach teurere Kraftwerke benötigt. Das zuletzt benötigte Kraftwerk bestimmt schließlich den Börsenstrompreis, den grundsätzlich auch die zuvor eingesetzten günstigeren Kraftwerke erhalten. Das Merit-Order-Prinzip spielt damit eine wichtige Rolle bei der Preisbildung am Strommarkt beeinflusst maßgeblich den Börsenstrompreis.

Entscheidend für diese Reihenfolge beim Merit-Order-Prinzip sind die sogenannten Grenzkosten. Damit sind die zusätzlichen Kosten gemeint, die entstehen, wenn ein Kraftwerk eine weitere Einheit Strom erzeugt. Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom haben besonders niedrige Grenzkosten, da für Wind und Sonnenenergie keine Brennstoffkosten anfallen. Deshalb stehen sie in der Merit Order weit vorne und kommen meist zuerst zum Einsatz.

Der englische Begriff „Merit Order“ lässt sich mit „Reihenfolge der Vorteilhaftigkeit“ übersetzen.

Wie funktioniert das Merit-Order-Prinzip?

Beim Merit-Order-Prinzip melden die Kraftwerksbetreiber zunächst ihre verfügbaren Strommengen und die jeweiligen Erzeugungskosten an der Strombörse an. Anschließend werden alle Kraftwerke von den niedrigsten bis zu den höchsten Kosten sortiert – diese Reihenfolge ist dann die Merit Order. Je niedriger die Grenzkosten sind, desto früher kommt eine Erzeugungsanlage zum Zug.

Der Ablauf des Merit-Order-Prinzips lässt sich in sechs Schritten erklären:

  1. Der Strombedarf für den jeweiligen Zeitraum wird prognostiziert.

  2. Kraftwerke melden ihre verfügbaren Strommengen und Erzeugungskosten an der Strombörse.

  3. Die Angebote werden nach den niedrigsten Kosten sortiert.

  4. Die günstigsten Kraftwerke decken zuerst den Strombedarf.

  5. Reicht deren Strom nicht aus, werden schrittweise teurere Kraftwerke zugeschaltet.

  6. Das zuletzt benötigte Kraftwerk bestimmt mit seinen Erzeugungskosten den Börsenstrompreis für alle.

Damit sorgt das Verfahren dafür, dass zunächst möglichst kostengünstige Kraftwerke eingesetzt werden und der benötigte Strom möglichst wirtschaftlich erzeugt wird.

Wie beeinflusst das Merit-Order-Prinzip den Strompreis?

Das Merit-Order-Prinzip beeinflusst den Börsenstrompreis, indem sich der Marktpreis an den Erzeugungskosten des letzten Kraftwerks orientiert, das noch benötigt wird, um die aktuelle Stromnachfrage zu decken.

Ein einfaches Beispiel:

Werden zunächst Wind-, Solar- und weitere günstigere Erzeugungsanlagen eingesetzt, reicht deren Strom aber nicht zur Deckung der Nachfrage aus, muss ein Kraftwerk mit höheren Grenzkosten hinzukommen. Die Kosten dieses zuletzt erforderlichen Kraftwerks bestimmen dann den Marktpreis für die zu diesem Zeitpunkt gehandelte Strommenge.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der so entstehende Börsenstrompreis identisch mit dem Strompreis auf der Rechnung von Verbrauchern ist. Der Endkundenpreis enthält zusätzlich unter anderem Netzentgelte sowie staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen.

Welche Rolle spielen erneuerbare Energien beim Merit-Order-Prinzip?

Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie haben besonders geringe Grenzkosten und stehen deshalb in der Merit Order weit vorne. Wind und Sonne verursachen keine Brennstoffkosten, wodurch zusätzliche Strommengen vergleichsweise geringe variable Erzeugungskosten verursachen.

Steht viel Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung, müssen entsprechend weniger Kraftwerke mit höheren Grenzkosten zur Deckung der Nachfrage eingesetzt werden. Die Einspeisung erneuerbarer Energien kann dadurch Einfluss auf den Börsenstrompreis nehmen.

Da Wind- und Solarenergie witterungsbedingt schwanken, werden allerdings weiterhin andere Kraftwerke benötigt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie spielen insbesondere Gaskraftwerke weiterhin eine wichtige Rolle und setzen in vielen Stunden den Strompreis.

Wer profitiert vom Merit-Order-Prinzip?

Vom Merit-Order-Prinzip können insbesondere Stromerzeuger profitieren, deren Grenzkosten unter dem jeweils ermittelten Marktpreis liegen. Denn der Marktpreis orientiert sich am zuletzt zur Deckung der Nachfrage benötigten und damit teureren Kraftwerk.

Ein Erzeuger mit niedrigeren Grenzkosten kann dadurch einen Marktpreis erhalten, der über seinen eigenen variablen Erzeugungskosten liegt. Die Differenz trägt unter anderem zur Deckung weiterer Kosten des Kraftwerks bei.

Besonders niedrige Grenzkosten weisen häufig Wind- und Solaranlagen auf, da für ihre Energiequellen keine Brennstoffkosten anfallen.

Welche Vorteile hat das Merit-Order-Prinzip?

Ein wesentlicher Vorteil der Merit Order besteht darin, dass Kraftwerke mit niedrigen Grenzkosten vorrangig eingesetzt werden. Erst wenn diese Anlagen nicht ausreichen, kommen teurere Kraftwerke hinzu.

Dadurch entstehen insbesondere folgende Effekte:

  • Kraftwerke mit niedrigen Grenzkosten werden zuerst eingesetzt.

  • Die Stromnachfrage wird schrittweise mit den verfügbaren Erzeugungsanlagen gedeckt.

  • Erneuerbare Energien werden aufgrund ihrer geringen Grenzkosten früh berücksichtigt.

  • Die Gesamtkosten des Kraftwerkseinsatzes werden durch diese Einsatzreihenfolge minimiert.

Warum steht das Merit-Order-Prinzip in der Kritik?

Kritik am Merit-Order-Prinzip entsteht insbesondere dann, wenn ein Kraftwerk mit hohen variablen Erzeugungskosten benötigt wird und dadurch den Marktpreis bestimmt. Auch Erzeuger mit deutlich niedrigeren Grenzkosten erhalten dann grundsätzlich diesen höheren Marktpreis.

Besonders deutlich wurde dieser Zusammenhang während der starken Schwankungen der Energiepreise: Weil Gaskraftwerke weiterhin in vielen Stunden zur Deckung der Stromnachfrage benötigt werden, können ihre hohen variablen Erzeugungskosten Einfluss auf den Börsenstrompreis haben.

Sollte das Merit-Order-Prinzip abgeschafft werden?

Die Frage, ob man das Merit-Order-Prinzip abschaffen sollte, betrifft grundsätzlich die Ausgestaltung des Strommarktes. Das Prinzip sorgt dafür, dass Kraftwerke anhand ihrer Grenzkosten eingesetzt werden und zunächst kostengünstigere Erzeugungsanlagen zum Zug kommen. Gleichzeitig kann ein teures, noch benötigtes Kraftwerk den Marktpreis für die gesamte zu diesem Zeitpunkt gehandelte Strommenge beeinflussen.

Eine Abschaffung oder grundlegende Veränderung würde deshalb nicht nur die Preisbildung betreffen, sondern auch die Mechanismen, nach denen Erzeugungsanlagen am Strommarkt eingesetzt und vergütet werden. Die Diskussion um das Merit-Order-Prinzip ist somit Teil der übergeordneten Frage, wie der Strommarkt ausgestaltet sein soll.