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Negative Strompreise
Was sind negative Strompreise?
Negative Strompreise entstehen, wenn der Strompreis an der Börse unter null fällt. In diesem Fall zahlen Stromerzeuger beziehungsweise Verkäufer am Großhandelsmarkt dafür, dass ihnen Strom abgenommen wird. Das kann vorkommen, wenn zeitweise mehr Strom angeboten als nachgefragt wird.
Wichtig für Verbraucher: Ein negativer Börsenstrompreis bedeutet nicht automatisch, dass Haushalte kostenlos Strom erhalten oder sogar Geld für ihren Stromverbrauch bekommen. Ob und in welchem Umfang sich negative Börsenpreise auf den persönlichen Arbeitspreis auswirken, hängt unter anderem vom Stromtarif ab.
Negative Strompreise treten am kurzfristigen Strommarkt auf. Dort werden Strommengen beispielsweise für den folgenden Tag gehandelt.
Warum entstehen negative Strompreise?
Negative Strompreise können entstehen, wenn zeitweise mehr Strom angeboten als nachgefragt wird. Ein solches Überangebot kann beispielsweise auftreten, wenn viel Strom aus Wind- und Solaranlagen erzeugt wird und gleichzeitig vergleichsweise wenig Strom verbraucht wird.
Typische Faktoren sind:
Hohe Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie: Starker Wind oder intensive Sonneneinstrahlung können das verfügbare Stromangebot erhöhen.
Geringe Stromnachfrage: Besonders bei niedriger Nachfrage kann ein hohes Stromangebot stärker auf die Börsenpreise wirken.
Begrenzte Flexibilität bei der Stromerzeugung: Manche Anlagen lassen sich nicht ohne Weiteres kurzfristig herunter- und wieder hochfahren. Dadurch kann weiterhin Strom erzeugt werden, obwohl bereits ein großes Angebot vorhanden ist.
Negative Strompreise sind damit ein Preissignal des Strommarktes: Zu einem bestimmten Zeitpunkt steht mehr Strom zur Verfügung, als nachgefragt wird.
Warum wird bei negativen Strompreisen weiterhin Strom erzeugt?
Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch: Warum erzeugen Kraftwerke weiterhin Strom, wenn sie für dessen Abnahme sogar bezahlen müssen?
Ein Grund dafür ist, dass sich nicht jede Erzeugungsanlage beliebig schnell abschalten lässt. Bei einigen Kraftwerken können das Herunter- und spätere Hochfahren mit einem erheblichen Aufwand verbunden sein. Bei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen ist die Stromerzeugung außerdem mit der Wärmeerzeugung verbunden.
Auch weitere technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen können dazu führen, dass Anlagen zeitweise weiter Strom produzieren.
Das erklärt, warum ein Überangebot nicht automatisch dadurch verschwindet, dass sämtliche Erzeugungsanlagen ihre Produktion unmittelbar reduzieren.
Profitieren Verbraucher von negativen Strompreisen?
Ja, Verbraucher können von negativen Strompreisen profitieren, insbesondere wenn sie einen dynamischen Stromtarif nutzen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie Geld für ihren Stromverbrauch erhalten. Für Haushalte ist entscheidend, welchen Stromtarif sie nutzen.
Bei einem klassischen Stromtarif mit festem Arbeitspreis zahlt der Kunde weiterhin den vertraglich vereinbarten Preis. Veränderungen des Börsenstrompreises werden hier nicht unmittelbar für jede einzelne Stunde beziehungsweise jeden einzelnen Zeitabschnitt an den Haushalt weitergegeben.
Bei einem dynamischen Stromtarif orientiert sich der variable Arbeitspreis dagegen an den kurzfristigen Börsenstrompreisen und kann sich im Tagesverlauf verändern. Verbraucher können ihren Stromverbrauch daher gezielt in Zeiten mit niedrigen oder negativen Börsenstrompreisen verlagern und dadurch ihre Stromkosten reduzieren.
Für die zeitgenaue Erfassung des Stromverbrauchs wird bei dynamischen Stromtarifen ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) benötigt. So können beispielsweise flexibel steuerbare Verbraucher verstärkt in günstigeren Preisphasen genutzt werden.
Wichtig: Auch wenn der Börsenstrompreis negativ ist, bedeutet das nicht automatisch, dass der gesamte Strompreis für den Haushalt negativ wird. Neben der börsenabhängigen Preiskomponente können weitere Bestandteile des Strompreises anfallen.
Deshalb gilt: Negative Börsenstrompreise können bei einem dynamischen Tarif besonders günstige Verbrauchszeiten ermöglichen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur können Verbraucher durch eine flexible Verlagerung ihres Stromverbrauchs in Zeiten niedriger Preise potenziell Kosten sparen. Negative Strompreise führen aber nicht zwangsläufig dazu, dass Verbraucher für den Stromverbrauch Geld oder kostenlosen Strom erhalten.
Wo kann man sehen, ob die Strompreise negativ sind?
Aktuelle Börsenstrompreise und Entwicklungen am deutschen Strommarkt können über öffentliche Strommarktdaten verfolgt werden. Eine zentrale Informationsquelle ist beispielsweise die Transparenzplattform SMARD der Bundesnetzagentur. Dort stellt die Behörde unter anderem Informationen zur Preisentwicklung und inzwischen auch modellierte dynamische Strompreise für Haushaltskunden bereit.
Fällt der Börsenstrompreis für einen bestimmten Zeitraum unter 0 Euro pro Megawattstunde (€/MWh), liegt ein negativer Strompreis vor.