Grüne sommerliche Landschaft mit Wäldern.

Strombörse

Was ist eine Strombörse?

Eine Strombörse ist ein organisierter Handelsplatz, an dem Strom gekauft und verkauft wird. Dabei treffen Stromerzeuger und Verkäufer auf Marktteilnehmer, die Strom benötigen. Wie auf anderen Märkten entsteht der Preis dabei durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Der Stromhandel unterscheidet sich jedoch in einem wichtigen Punkt vom Handel mit vielen anderen Gütern: Strom muss im Stromsystem laufend so bereitgestellt werden, dass Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen. Entsprechend kann sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage kurzfristig verändern und damit auch der Börsenstrompreis.

An der Strombörse werden Strommengen für unterschiedliche Zeiträume gehandelt. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen kurzfristigem Handel am Spotmarkt und längerfristigem Handel am Terminmarkt.

Wie funktioniert die Strombörse?

An der Strombörse geben Marktteilnehmer Angebote zum Kauf und Verkauf von Strom ab. Treffen Angebot und Nachfrage zusammen, entsteht daraus ein Börsenpreis.

Beim kurzfristigen Handel gibt es insbesondere zwei wichtige Märkte:

  • Day-Ahead-Markt: Hier wird Strom für den folgenden Tag gehandelt.

  • Intraday-Markt: Hier können Strommengen noch kurzfristiger gehandelt und Planungen angepasst werden.

Das ist beispielsweise wichtig, weil sich Stromerzeugung und Stromverbrauch kurzfristig anders entwickeln können als erwartet. Mehr oder weniger Wind- und Solarstrom oder Veränderungen der Nachfrage können deshalb Einfluss auf die Preise haben.

Daneben gibt es den Terminmarkt. Hier werden Stromlieferungen bereits länger im Voraus gehandelt. Dadurch können sich Marktteilnehmer gegen zukünftige Preisänderungen absichern.

Wie entsteht der Strompreis an der Strombörse?

Der Börsenstrompreis entsteht aus Angebot und Nachfrage. Ist viel Strom verfügbar und die Nachfrage vergleichsweise gering, kann der Preis sinken. Trifft dagegen eine hohe Nachfrage auf ein geringeres Angebot, kann der Preis steigen.

Bei der Preisbildung spielt außerdem das Merit-Order-Prinzip eine wichtige Rolle. Vereinfacht gesagt werden Kraftwerke entsprechend ihrer Grenzkosten eingeordnet. Zunächst kommen Stromerzeuger mit niedrigen Grenzkosten zum Zug. Reicht deren Strom nicht aus, werden weitere, teurere Anlagen benötigt.

Das zuletzt benötigte Kraftwerk beeinflusst schließlich den Börsenstrompreis. Deshalb können beispielsweise die Kosten konventioneller Kraftwerke Auswirkungen auf den Marktpreis haben, obwohl gleichzeitig günstiger Wind- und Solarstrom verfügbar ist.

Welche Faktoren beeinflussen den Börsenstrompreis?

Der Strompreis an der Börse kann sich laufend verändern, weil sich Stromangebot und -nachfrage ebenfalls verändern.

Zu den wichtigen Einflussfaktoren gehören beispielsweise:

  • Stromnachfrage: Ein höherer Bedarf kann zu steigenden Preisen beitragen.

  • Wind- und Solarstrom: Steht viel erneuerbarer Strom zur Verfügung, erhöht sich das Stromangebot.

  • Verfügbarkeit von Kraftwerken: Kraftwerksausfälle können das verfügbare Angebot verändern.

  • Erzeugungskosten: Die Kosten der für die Deckung der Nachfrage benötigten Kraftwerke wirken sich auf die Preisbildung aus.

Dadurch kann sich der Strombörsenpreis im Tagesverlauf deutlich verändern. Genau diese Preisschwankungen sind beispielsweise bei dynamischen Stromtarifen relevant.

Was ist die Strombörse in Leipzig?

Mit der Leipziger Strombörse ist häufig die European Energy Exchange (EEX) mit Sitz in Leipzig gemeint. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Terminhandel und kurzfristigem Stromhandel.

An der European Energy Exchange (EEX) werden unter anderem längerfristige Stromprodukte gehandelt. Auf dem Terminmarkt können Stromlieferungen mit einem Vorlauf von Jahren gehandelt werden.

Für den kurzfristigen Stromhandel ist dagegen insbesondere die EPEX SPOT mit Sitz in Paris relevant. Hier findet unter anderem der Day-Ahead- und Intraday-Handel statt.

Vereinfacht lässt sich der Unterschied deshalb so einordnen:

  • EEX in Leipzig: insbesondere längerfristiger Terminhandel

  • EPEX SPOT: kurzfristiger Stromhandel, etwa für den folgenden oder laufenden Tag

Was kostet 1 kWh Strom an der Strombörse?

Der Preis für eine Kilowattstunde Strom an der Strombörse ist nicht konstant. Er verändert sich abhängig von Angebot, Nachfrage und Handelszeitpunkt. Deshalb gibt es auf die Frage „Was kostet 1 kWh Strom an der Strombörse?“ keinen dauerhaft gültigen Betrag.

Börsenstrompreise werden häufig in Euro pro Megawattstunde (€/MWh) angegeben. Für Verbraucher ist dagegen die Einheit Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) geläufiger.

Die Umrechnung ist einfach:

100 €/MWh = 10 ct/kWh

Ein Börsenpreis von beispielsweise 80 €/MWh entspricht damit 8 ct/kWh.

Wichtig: Dieser Börsenstrompreis entspricht nicht dem Strompreis auf der Haushaltsrechnung. Zum Endkundenpreis kommen weitere Preisbestandteile hinzu, beispielsweise Netzentgelte, Steuern, Abgaben beziehungsweise Umlagen sowie Kosten des Stromanbieters.

Wo kann man aktuelle Strombörsenpreise sehen?

Aktuelle und historische Strombörsenpreise lassen sich über öffentliche Strommarktdaten verfolgen. In Deutschland stellt beispielsweise die Bundesnetzagentur über die Plattform SMARD Großhandelsstrompreise und weitere Strommarktdaten bereit.

Dort lässt sich auch erkennen, dass sich der Börsenstrompreis innerhalb eines Tages verändern kann.

Kann man als Privatperson Strom an der Strombörse kaufen?

Privathaushalte kaufen ihren Strom normalerweise nicht selbst direkt an der Strombörse. Am Großhandelsmarkt handeln unter anderem Energieversorger, Stromhändler und größere Marktteilnehmer. Haushalte beziehen ihren Strom dagegen über einen Stromlieferanten.

Dennoch können Börsenstrompreise für private Verbraucher relevant sein. Besonders deutlich wird das bei einem dynamischen Stromtarif, dessen Preise sich an kurzfristigen Börsenstrompreisen orientieren.

Damit können Verbraucher an der Entwicklung der Börsenstrompreise teilhaben, ohne selbst als Händler an der Strombörse aufzutreten.

Was hat die Strombörse mit meinem Strompreis zu tun?

Die Strombörse beeinflusst insbesondere die Beschaffungskosten von Strom, der Haushaltsstrompreis besteht jedoch aus weiteren Bestandteilen. Deshalb lässt sich ein Börsenpreis von beispielsweise 8 ct/kWh nicht direkt mit einem Endkundenpreis von beispielsweise 30 ct/kWh vergleichen.

Bei klassischen Stromtarifen beschaffen Energieversorger Strom und kalkulieren daraus ihre Tarife. Bei dynamischen Stromtarifen ist die Verbindung zum Börsenstrompreis besonders direkt: Der Arbeitspreis, also der Preis für jede verbrauchte Kilowattstunde Strom, orientiert sich an den Börsenstrompreisen und kann sich entsprechend verändern. Verbraucher können ihren Stromverbrauch dadurch gezielt in günstigere Zeiträume verlagern und von niedrigeren Börsenstrompreisen profitieren.