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Spotmarkt (Strom)
Was ist der Spotmarkt für Strom?
Der Spotmarkt für Strom ist ein Markt, an dem Strom kurzfristig gekauft und verkauft wird. Dabei geht es um Strommengen, die bereits am folgenden Tag (Day-Ahead) oder noch innerhalb desselben Tages (Intraday) geliefert werden. Im Gegensatz dazu wird Strom am Terminmarkt über einen längeren Zeitraum im Voraus gehandelt.
Der Spotmarkt ermöglicht es Marktteilnehmern, kurzfristig auf Veränderungen bei Stromangebot und Stromnachfrage zu reagieren. Das ist wichtig, weil sich Stromerzeugung und Stromverbrauch nicht immer exakt im Voraus planen lassen. Beispielsweise kann die tatsächliche Stromproduktion aus Wind- und Solaranlagen von den vorherigen Erwartungen abweichen.
Der Handel am Spotmarkt erfolgt hauptsächlich über den Day-Ahead- und den Intraday-Markt. Eine wichtige Strombörse für den kurzfristigen europäischen Stromhandel ist die EPEX SPOT.
Wie funktioniert der Stromhandel am Spotmarkt?
Am Spotmarkt treffen kurzfristige Kauf- und Verkaufsangebote für Strom aufeinander. Stromerzeuger beziehungsweise Händler bieten Strom an, während andere Marktteilnehmer die benötigten Strommengen nachfragen. Aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage entstehen die jeweiligen Marktpreise.
Dabei gibt es zwei zentrale Handelsbereiche:
Day-Ahead: Hier wird Strom für die Lieferung am nächsten Tag gehandelt. Marktteilnehmer planen damit bereits am Vortag, welche Strommengen am folgenden Tag benötigt beziehungsweise bereitgestellt werden.
Intraday: Nach dem Day-Ahead-Handel können Strommengen nochmals kurzfristiger gehandelt beziehungsweise angepasst werden. Das ist beispielsweise wichtig, wenn sich die erwartete Stromerzeugung oder der tatsächliche Strombedarf anders entwickelt als zunächst angenommen.
Diese Aufteilung ermöglicht es den Marktteilnehmern, zunächst den Strombedarf für den kommenden Tag zu planen und später auf kurzfristige Veränderungen zu reagieren.
Was ist der Day-Ahead-Markt?
Auf dem Day-Ahead-Markt wird Strom einen Tag vor der tatsächlichen Lieferung gehandelt. Käufer und Verkäufer geben dafür ihre Gebote für die einzelnen Zeitabschnitte des Folgetages ab. Aus diesen Angeboten werden anschließend die jeweiligen Marktpreise ermittelt.
Für Verbraucher sind die Day-Ahead-Preise insbesondere im Zusammenhang mit dynamischen Stromtarifen interessant. Je nach Tarif können die kurzfristigen Börsenpreise die zeitabhängigen Strompreise beeinflussen.
Aktuelle Day-Ahead-Ergebnisse veröffentlicht unter anderem die EPEX SPOT für die jeweiligen Marktgebiete.
Was ist der Intraday-Markt?
Der Intraday-Markt ermöglicht es, Strom noch kurzfristiger als am Day-Ahead-Markt zu handeln. Marktteilnehmer können dadurch ihre zuvor geplanten Strommengen näher am tatsächlichen Lieferzeitpunkt anpassen.
Das ist beispielsweise relevant, wenn kurzfristig mehr oder weniger Strom benötigt beziehungsweise erzeugt wird als ursprünglich erwartet.
Ein vereinfachtes Beispiel: Wird für den nächsten Tag eine bestimmte Menge Solarstrom erwartet, die tatsächliche Erzeugung fällt aber anders aus, können Marktteilnehmer über den Intraday-Markt ihre Positionen kurzfristiger an die neue Situation anpassen.
Damit erfüllt der Intraday-Handel eine wichtige Funktion: Er ermöglicht es, kurzfristige Abweichungen zwischen geplantem und tatsächlichem Stromangebot beziehungsweise Strombedarf auszugleichen.
Was ist der Unterschied zwischen Spotmarkt und Terminmarkt?
Der wichtigste Unterschied zwischen Spotmarkt und Terminmarkt liegt im Zeitraum zwischen Stromhandel und Lieferung.
Am Spotmarkt wird Strom kurzfristig gehandelt, beispielsweise für den nächsten Tag oder innerhalb eines Tages. Am Terminmarkt werden dagegen Strommengen länger im Voraus gehandelt.
Vereinfacht:
Spotmarkt: kurzfristiger Stromhandel
Terminmarkt: längerfristiger Stromhandel
Die beiden Märkte erfüllen damit unterschiedliche Funktionen. Der Terminmarkt ermöglicht beispielsweise eine längerfristige Beschaffung und Preisabsicherung, während der Spotmarkt stärker auf die kurzfristige Situation von Angebot und Nachfrage reagiert.
Wie entstehen die Strompreise am Spotmarkt?
Die Strompreise am Spotmarkt entstehen durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Für die Preisbildung am Day-Ahead-Markt spielt außerdem das Merit-Order-Prinzip eine wichtige Rolle.
Dabei werden Stromangebote vereinfacht nach ihren Grenzkosten beziehungsweise Angebotspreisen berücksichtigt. Anlagen mit niedrigen Grenzkosten stehen weit vorne. Weitere, teurere Stromerzeuger kommen hinzu, bis die Nachfrage gedeckt werden kann.
Der zuletzt noch benötigte und akzeptierte Preis beeinflusst dabei den Marktpreis.
Warum schwanken die Preise am Spotmarkt?
Spotmarktpreise können schwanken, weil sich Stromangebot und Stromnachfrage kurzfristig verändern.
Einfluss haben beispielsweise:
verfügbare Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie
Höhe des aktuellen Strombedarfs
Verfügbarkeit weiterer Kraftwerke
Kosten der zur Deckung der Nachfrage benötigten Stromerzeugung
Steht viel Strom zur Verfügung und fällt die Nachfrage gleichzeitig vergleichsweise gering aus, können die Preise sinken. Bei knapperem Angebot und hoher Nachfrage können sie dagegen steigen.
Die offiziellen Marktergebnisse der EPEX SPOT zeigen entsprechend unterschiedliche Preise für verschiedene Lieferzeiträume.
Welche Bedeutung hat der Spotmarkt für dynamische Stromtarife?
Bei dynamischen Stromtarifen besteht eine besonders direkte Verbindung zu den kurzfristigen Börsenstrompreisen. Der Arbeitspreis, also der Preis für jede verbrauchte Kilowattstunde Strom, kann sich entsprechend der zugrunde liegenden Preisentwicklung verändern.
Dadurch können Verbraucher ihren Stromverbrauch stärker an unterschiedliche Preiszeiten anpassen. Stromintensive Anwendungen können beispielsweise gezielt in günstigere Zeiträume verlagert werden, sofern sich ihr Betrieb flexibel steuern lässt.
Wo kann man aktuelle Spotmarktpreise sehen?
Aktuelle Spotmarktpreise können über öffentliche Strommarkt- und Börsendaten eingesehen werden.
Die EPEX SPOT veröffentlicht beispielsweise Marktergebnisse für Day-Ahead- und Intraday-Märkte. Dort können die Ergebnisse nach Marktsegment, Lieferdatum und Produkt betrachtet werden.
Eine weitere Möglichkeit sind die Energy-Charts des Fraunhofer ISE. Dort lassen sich Börsenstrompreise gemeinsam mit Daten zur Stromerzeugung darstellen und über verschiedene Zeiträume betrachten.