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Strom · 22.10.2026

Wie entsteht Ihr Strompreis?

Ferdinand Heinrichs
Experte für Gewerbekunden & Energielösungen
Ein Paar surft gemeinsam am Laptop.
© DragonImages

An der Börse fällt der Strompreis, auf Ihrer Rechnung bleibt er gleich. Zeitweise wird Strom im Großhandel sogar zu negativen Preisen gehandelt. Warum bezahlen Sie trotzdem für jede Kilowattstunde? Der Börsenpreis ist nur ein Bestandteil Ihres Tarifs. Hinzu kommen unter anderem Netzentgelte, Steuern und die Kosten der Strombelieferung.

Wofür bezahlen Sie mit Ihrer Stromrechnung?

Ihr Strompreis deckt mehr ab als die Erzeugung von Energie. Nach der BDEW-Strompreisanalyse entfallen 2026 im bundesweiten Durchschnitt rund 41 Prozent auf Beschaffung und Vertrieb, 25 Prozent auf Netzentgelte und 34 Prozent auf Steuern, Abgaben und Umlagen.

Preisbestandteil

Ungefährer Anteil

Was dahintersteckt

Beschaffung und Vertrieb

41%

Einkauf der Energie, Vertriebsaufwand, Kundenservice und Gewinnmarge

Netzentgelte

25%

Nutzung, Betrieb, Instandhaltung und Ausbau der Stromnetze

Steuern, Abgaben und Umlagen

34%

Unter anderem Strom- und Umsatzsteuer, Konzessionsabgabe sowie gesetzliche Umlagen und Aufschläge

Quelle: BDEW-Strompreisanalyse, Herbst 2026. Gerundete bundesweite Durchschnittswerte für Haushaltskunden, keine Aufschlüsselung eines konkreten SVO-Tarifs. Die Anteile unterscheiden sich je nach Tarif und Netzgebiet.

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Was bedeutet das für Ihre Stromkosten?

Von 100 Euro Stromkosten entfallen nach dieser durchschnittlichen Aufteilung etwa 59 Euro auf Netzentgelte sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Rund 41 Euro bleiben für Beschaffung und Vertrieb. Dieser Anteil ist nicht mit dem Gewinn des Anbieters gleichzusetzen: Er deckt unter anderem den Energieeinkauf sowie Personal-, Service- und Verwaltungskosten.

Auf Ihrer Rechnung werden die Kosten üblicherweise über zwei Positionen abgerechnet:

Wie Sie daraus Ihre Jahreskosten ermitteln, erklärt unser Beitrag „Stromkosten berechnen“.

Wie entsteht der Preis an der Strombörse?

Am Großhandelsmarkt treffen Stromangebot und Nachfrage aufeinander. Gehandelt wird unter anderem elektronisch an der Energiebörse EEX in Leipzig, etwa zur längerfristigen Preisabsicherung, und an der EPEX SPOT in Paris für kurzfristige Stromlieferungen.

Grafik zur Entstehung von Strompreis an der Börse.
© KI-Grafik

Wie viel Strom verfügbar ist, hängt beispielsweise vom Wetter, von Kraftwerksausfällen und vom europäischen Stromhandel ab. Gleichzeitig verändert sich der Bedarf im Tagesverlauf.

Für die Preisbildung ist die sogenannte Merit Order wichtig. Vereinfacht werden die verfügbaren Erzeugungsangebote nach ihrem Preis geordnet. Günstigere Angebote kommen zuerst zum Zuge. Das teuerste noch benötigte Angebot bestimmt den einheitlichen Marktpreis für den jeweiligen Lieferzeitraum.

Wind- und Solaranlagen können häufig günstig anbieten, weil sie keinen Brennstoff benötigen. Reicht ihr Angebot nicht aus, werden weitere Kraftwerke gebraucht. Muss beispielsweise ein Gaskraftwerk eingesetzt werden, können Gaspreise und die Kosten für CO₂-Zertifikate den Strompreis beeinflussen. Nicht immer setzt jedoch ein Gaskraftwerk den Preis.

Warum beeinflussen Weltmärkte unseren Strompreis?

Auch wenn Strom in unserer Region erzeugt wird, entsteht sein Preis nicht unabhängig vom internationalen Markt. Deutschland ist Teil des europäischen Stromhandels. Angebot und Nachfrage in Nachbarländern wirken deshalb auf die Preise ein. Brennstoffe für Kraftwerke werden ebenfalls international gehandelt.

Im SVO-Interview nennt Energieeinkäufer Jan Kosellek wichtige Einflussfaktoren:

Wetter, politische Entscheidungen, globale Krisen.

Viel Wind in Norddeutschland bedeutet deshalb nicht automatisch einen dauerhaft niedrigen Haushaltstarif. Entscheidend sind das gesamte Marktgeschehen, die individuelle Beschaffungsstrategie des Versorgers und die weiteren Bestandteile des Strompreises.

Terminmarkt und Spotmarkt: Wie kauft die SVO Strom ein?

Strom wird nicht nur kurzfristig für den nächsten Tag gehandelt: Am Terminmarkt können Versorger Mengen und Preise weit im Voraus langfristig absichern. Für den folgenden Tag oder innerhalb des laufenden Tages können kurzfristige Lieferungen am Spotmarkt gehandelt werden.

Die SVO nutzt laut Jan Kosellek beide Wege:

Am Terminmarkt sichern wir frühzeitig Mengen und Preise für die Zukunft oft über Jahre im Voraus, das gibt Planungssicherheit.

Einen kleinen Teil der benötigten Mengen beschafft die SVO kurzfristig. Das Ziel beschreibt Kosellek so:

Wir nutzen beide Wege, um Risiken zu streuen und Chancen zu nutzen.

Diese Kombination hilft, den Einkauf zu planen und zugleich auf Änderungen bei Verbrauch und Erzeugung zu reagieren.

Warum kommen Börsenpreise nicht sofort im Tarif an?

Die folgende Erklärung bezieht sich auf Tarife mit festem Arbeitspreis. Bei dynamischen Tarifen ist der Zusammenhang mit aktuellen Börsenpreisen unmittelbarer.

Ein aktueller Börsenkurs zeigt nicht, zu welchen Preisen ein Versorger den Strom für seine Kunden insgesamt beschafft hat. Wurde ein Teil bereits längerfristig abgesichert, prägen auch diese Vereinbarungen die Einkaufskosten.

Das wirkt in beide Richtungen: Sinkende Börsenpreise erreichen einen klassischen Tarif nicht unmittelbar. Umgekehrt kann längerfristige Beschaffung kurzfristige Preisspitzen abfedern. Sie garantiert allerdings nicht den jeweils niedrigsten Einkaufspreis.

Hinzu kommen Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen. Diese verändern sich unabhängig von einzelnen Börsenkursen. Für Ihren Haushaltstarif zählt deshalb die Gesamtkalkulation, nicht der Preis eines einzelnen Handelstages.

Wann ist Strom am günstigsten?

Welche Rolle spielt die SVO dabei?

Auf Steuern und regulierte Netzentgelte hat der Stromvertrieb keinen unmittelbaren Einfluss. Bei der Beschaffung und den eigenen Abläufen bestehen dagegen Handlungsmöglichkeiten.

Für den Energieeinkauf nennt Kosellek ein klares Ziel:

Wir beschaffen die Strom- und Erdgasmengen, die unsere Kunden brauchen. Aber eben nicht irgendwie – sondern zu möglichst stabilen, wettbewerbsfähigen Preisen.

Neben dem Preis zählt auch, welche Unterstützung Sie erhalten. Als regionaler Ansprechpartner verbindet die SVO die Strombelieferung mit persönlichem Service und Beratung.

Wenn Sie Angebote vergleichen, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Jahreskosten, die Vertragsbedingungen und die Leistungen, die Ihnen wichtig sind. Dazu gehört beispielsweise, wie Sie Ihren Anbieter bei Fragen zur Rechnung oder zu Ihrem Vertrag erreichen.

Häufige Fragen zum Strompreis

Nein. Beschaffungskosten, Nachfrage und weitere Preisbestandteile können sich verändern. Daraus lässt sich kein sicherer Haushaltspreis für 2027 ableiten. Für Ihre persönliche Planung sind die bestätigten Konditionen Ihres Vertrags maßgeblich.

Nein. Der Abschlag ist eine Vorauszahlung auf Ihre voraussichtlichen Energiekosten. Seine Höhe hängt auch vom erwarteten Verbrauch ab. Prüfen Sie deshalb getrennt, ob sich Ihr Arbeitspreis, Ihr Grundpreis oder die zugrunde gelegte Verbrauchsmenge verändert hat.

Nein. Das hängt vom Marktgeschehen und Ihrem Tarif ab. Bei einem klassischen Tarif mit einheitlichem Arbeitspreis kostet eine Kilowattstunde zu jeder Uhrzeit gleich viel. Mehr dazu erklärt unser Beitrag „Wann ist Strom am günstigsten?“.

Negative Börsenpreise gelten für bestimmte Handelszeiträume. Sie ändern weder die Kosten bereits beschaffter Mengen noch die übrigen Bestandteile Ihres Strompreises. Auch bei dynamischen Tarifen fallen zusätzliche Kostenbestandteile an. Ein negativer Börsenpreis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Sie insgesamt nichts für den Strom bezahlen.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Beschaffung und im Vertrieb: Wann und zu welchen Konditionen hat ein Anbieter Strom eingekauft? Welchen Service bietet er, und wie kalkuliert er seine Kosten? Auch Grundpreis und Arbeitspreis können unterschiedlich gewichtet sein. Vergleichen Sie deshalb die gesamten Jahreskosten für Ihren erwarteten Verbrauch und die jeweiligen Vertragsbedingungen.