Am 1. Mai 2026 war Strom an der Börse zeitweise so billig, dass Abnehmer dafür Geld bekommen haben: Der Preis an der Börse (Beschaffungspreis, zzgl. Netzentgelte Steuern und Umlagen) fiel auf rund minus 499 Euro pro Megawattstunde, also etwa minus 50 Cent pro Kilowattstunde. Möglich machten das vor allem viel Wind- und Solarstrom im Netz bei gleichzeitig geringer Nachfrage an einem Feiertag. Für Haushalte mit klassischem Stromtarif bleibt davon meist nur eine Schlagzeile übrig, bei dynamischen Tarifen können Kundinnen und Kunden solche Stunden konkret nutzen.
Warum der Zeitpunkt beim Stromverbrauch entscheidend ist
Doch nicht nur an Extremtagen schwanken die Preise. Im Tagesverlauf gibt es immer wieder günstigere und teurere Phasen - Strompreise sind heute dynamischer als früher. Das hat drei Hauptgründe:
Der Anteil erneuerbarer Energien wächst und damit das Auf und Ab von Wind- und Solarstrom.
Strom wird an Börsen gehandelt; dort reagiert der Preis auf Angebot und Nachfrage.
Immer mehr Haushalte haben die Möglichkeit, ihren Verbrauch zeitlich zu verschieben – etwa mit E‑Auto, Wärmepumpe oder Stromspeicher.
Wer seinen Alltag ein wenig verschiebt oder Technik gezielt einsetzt, kann von günstigeren Stunden profitieren, besonders in Verbindung mit einem dynamischen Tarif.
Bevor wir auf typische günstige und teure Zeiten eingehen, ist wichtig zu wissen, welcher Tariftyp überhaupt von schwankenden Strompreisen profitiert.
Wer profitiert von günstigen Stromzeiten?
Klassischer Stromtarif:
Sie zahlen Tag und Nacht denselben Arbeitspreis. Typische „Billigzeiten“ spüren Sie hier nicht direkt im Geldbeutel, sind dafür aber vor Preisspitzen geschützt. Ihr Verbrauchsverhalten hilft aber, Lastspitzen im Netz zu glätten.
Tag-/Nacht- oder Hoch-/Niedertarif:
Es gibt festgelegte günstige Zeiten, meist nachts. Wenn Sie Waschmaschine, Geschirrspüler oder Warmwasserbereitung bewusst in diese Zeitfenster legen, können Sie konkret sparen.
Dynamischer Stromtarif:
Der Arbeitspreis ändert sich viertelstündlich mit dem Börsenstrompreis. Genau hier lohnt es sich besonders, günstige Zeitfenster aktiv zu nutzen, zum Beispiel fürs E‑Auto oder für Haushaltsgeräte mit Timer.
Warum schwankt der Strompreis im Tagesverlauf?
Hinter den Preisschwankungen steckt im Kern ein einfaches Prinzip: Angebot und Nachfrage. Wenn viel Strom gebraucht wird – zum Beispiel morgens oder am frühen Abend –, müssen zusätzliche Kraftwerke einspringen, und der Preis steigt. Gibt es dagegen viel Wind- oder Solarstrom bei gleichzeitig geringer Nachfrage, sinkt der Börsenstrompreis – in einzelnen Stunden sogar bis ins Negative.
Wie dieser Preis genau zustande kommt, erklärt das sogenannte Merit-Order-Prinzip.
Was hat die Merit Order mit dem Strompreis zu tun?
An der Strombörse werden Kraftwerke vereinfacht nach ihren laufenden Kosten sortiert – von günstig nach teuer. Wind- und Solaranlagen stehen dabei meist weit vorne, teurere Kraftwerke wie Gaskraftwerke weiter hinten. Den Preis bestimmt am Ende das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken.
Das heißt: Ist viel günstiger erneuerbarer Strom im Netz, fällt der Preis. Müssen zusätzlich teurere Kraftwerke einspringen, steigt er. Genau deshalb lohnt es sich immer mehr, Strom dann zu nutzen, wenn viel Wind- und Solarenergie verfügbar ist – besonders mit dynamischen Tarifen, die diese Schwankungen direkt abbilden.
Wann ist Strom typischerweise am günstigsten?
Ganz feste „Billigzeiten“ gibt es nicht mehr, aber typische Muster schon.
Nachts – wenn die meisten schlafen
In den späten Nachtstunden ist die Nachfrage im Stromnetz gering: Viele Geräte sind aus, Industrieproduktion fährt herunter. Entsprechend sinken die Börsenpreise häufig – vor allem in Netzen mit viel Windstrom. Für Haushalte mit zeitvariablen oder dynamischen Tarifen können 1–5 Uhr morgens daher attraktive Zeiten sein, um zum Beispiel Waschmaschine oder Geschirrspüler laufen zu lassen.
Mittags – wenn Solarstrom den Preis drückt
Früher galten die Mittagsstunden als besonders teuer. Heute ist es oft anders: Mit viel Photovoltaik im System fällt zur Mittagszeit große Strommenge an, die Preise können dann deutlich sinken. An sonnigen Tagen mit wenig Industriebedarf und gefüllten Speichern sind sogar negative Preise möglich – wie Anfang Mai 2026 zu beobachten.
Wochenende und Feiertage
Wenn Betriebe runterfahren und gleichzeitig viel erneuerbarer Strom zur Verfügung steht, ist Strom am Großhandelsmarkt oft günstiger. Typische Konstellation: sonniger oder windiger Sonntag mit niedriger Nachfrage – genau dann entstehen häufig die in den Medien diskutierten Negativpreise.
Wichtig: Für Haushalte mit klassischen Tarifen sind das eher Hintergrundinfos. Direkt profitieren vor allem Kundinnen und Kunden mit dynamischem Tarif, bei denen der Börsenpreis zeitnah im Arbeitspreis ankommt.
Typische Lastspitzen – wann ist Strom am teuersten?
Netzbetreiber und Strombörsen sehen seit Jahren ähnliche Muster beim Verbrauchsverlauf:
Morgens (ca. 6–9 Uhr)
Haushalte starten in den Tag: Kaffee, Dusche, Licht, erste Waschmaschine, dazu kommt der Gewerbe- und Industriebedarf. Die Kurve zieht spürbar an, entsprechend steigt der Bedarf an Kraftwerksleistung.
Abends (ca. 17–21 Uhr)
Viele kommen nach Hause, kochen, nutzen Herd, Backofen, Unterhaltungselektronik; in elektrifizierten Haushalten läuft zusätzlich die Wärmepumpe. Das sind die klassischen „Prime-Time“-Stunden und oft die teuersten Stunden im Stromsystem.
Genau diese Zeitfenster lassen sich mit etwas Planung meiden: Wer Geräte mit Timer-Funktion nutzt, kann viele stromintensive Aufgaben in günstigere Zeiträume verlagern.
So nutzen Sie günstige Stromzeiten im Alltag
Sie müssen nicht Ihr ganzes Leben nach der Strombörse ausrichten. Aber ein paar einfache Kniffe helfen, günstige Zeiten mitzunehmen – vor allem mit dynamischem Tarif.
Haushaltsgeräte mit Timer nutzen (HEMS)
Waschmaschine und Trockner auf späte Nacht- oder Mittagszeiten programmieren (wenn Geräuschpegel und Hausordnung es zulassen).
Geschirrspüler so einstellen, dass er nach dem Zubettgehen startet.
E‑Auto gezielt laden
Viele Wallboxen erlauben eine zeitgesteuerte Ladung oder eine Kopplung an Preissignale. Wer dynamische Tarife nutzt, kann das E‑Auto bevorzugt in Stunden mit niedrigem Börsenpreis laden – nachts oder mittags.
Warmwasserbereitung anpassen
In Haushalten mit elektrischer Warmwasserbereitung oder Wärmepumpe kann sich lohnen, Speicherzeiten in günstige Stunden zu legen.
Komfortabel steuern mit SVO I cor E
Noch einfacher wird es mit einem Energiemanagementsystem wie SVO I cor E. Es vernetzt zum Beispiel Wallbox, Wärmepumpe und weitere Verbraucher und kann sie automatisch in günstige Stunden verschieben – insbesondere in Kombination mit einem dynamischen Tarif. So nutzen Sie niedrige Strompreise, ohne ständig selbst auf die Uhr oder in eine App schauen zu müssen.
Dynamische Stromtarife – wann ist Strom wirklich am günstigsten?
Dynamische Tarife koppeln den Arbeitspreis Ihres Stromvertrags direkt an die Viertelstundenpreise der Strombörse.
In Stunden mit viel Wind- oder Solarstrom kann der Preis sehr niedrig werden – bis hin zu Null oder darunter.
In Spitzenzeiten kann er dagegen höher liegen als bei einem klassischen Fixpreistarif.
Seit Januar 2025 müssen alle Stromversorger mindestens einen dynamischen Tarif anbieten; Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Der dynamische Tarif der SVO macht diese Preisschwankungen für Haushalte nutzbar – ideal für alle, die:
flexible Verbraucher wie E‑Auto, Wärmepumpe oder Speicher haben
und bereit sind, ihren Verbrauch teilweise an Preissignale anzupassen.
SVO Strom | dynamisch im Alltag
Wie sich ein dynamischer Stromtarif im echten Familienalltag anfühlt, zeigt ein Erfahrungsbericht im SVO-Onlinemagazin. Dort erfahren Sie, wie Familie Haase ihren Verbrauch an die Strompreise anpasst, welche Einsparungen möglich sind und welche Rolle App und Smart Meter dabei spielen.
Die Bundesnetzagentur erläutert, wie dynamische Stromtarife funktionieren und warum sich der Strompreis an der Börse im Tagesverlauf je nach Einspeisung und Nachfrage teils deutlich verändert. Weitere Informationen finden Sie im Überblick zu dynamischen Stromtarifen bei der Bundesnetzagentur.
Strom selbst erzeugen – der günstigste Strom ist der eigene
So spannend günstige Börsenstunden sind: Wirklich unabhängig wird Strom vor allem dann, wenn er vom eigenen Dach kommt.
Photovoltaik liefert tagsüber Solarstrom zu sehr niedrigen Erzeugungskosten.
Stromspeicher verschieben einen Teil dieses Stroms in Abend- und Nachtstunden.
Energiemanagement verbindet PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox miteinander, damit möglichst viel im Haus bleibt.
Studien des Fraunhofer ISE zeigen, dass Photovoltaik‑Anlagen mit Batteriespeicher heute Strom zu Kosten deutlich unter vielen Haushaltsstromtarifen erzeugen können. Das macht den eigenen Solarstrom langfristig zur günstigsten und planbarsten Variante – und reduziert die Abhängigkeit von Preisspitzen am Markt.
Häufige Fragen zu günstigen Stromzeiten
Timing wird zum wichtigen Faktor beim Stromverbrauch
Wenn Sie von günstigen Stunden im Stromnetz profitieren möchten, lohnt sich ein Blick auf den dynamischen Stromtarif der SVO. Dort erfahren Sie, welche Voraussetzungen Sie benötigen – etwa einen intelligenten Stromzähler – und wie Sie ganz konkret sehen, wie hoch der Strompreis gerade ist.
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