Stellen Sie sich vor, Ihr Stromzähler könnte Ihnen sagen: „Jetzt gerade ist Strom besonders günstig – ideal zum Laden des E-Autos." Klingt nach Zukunft? Für immer mehr Haushalte in der Region Celle und Uelzen ist es bereits Gegenwart. Denn mit dem intelligenten Messsystem – dem sogenannten Smart Meter – ist genau das möglich.
Mehr als nur ein neuer Zähler
Der alte Ferrariszähler mit der drehenden Scheibe verschwindet aus deutschen Haushalten. Was ihn ersetzt, ist nicht einfach ein digitales Modell des Altbekannten, sondern ein anderes Gerät mit einem anderen Anspruch.
„Das Stromnetz wird immer komplexer", erklärt Paul Kroll, Ingenieur Messwesen bei der Celle-Uelzen Netz GmbH (CUN). „Früher floss Strom vom Kraftwerk ins Haus. Heute speisen PV-Anlagen zurück, Wärmepumpen und Wallboxen ziehen mehr Leistung. Um das alles stabil zu halten, brauchen wir mehr Sensorik im Netz." Der digitale Stromzähler ist ein Teil dieser Sensorik und macht das Stromsystem ein Stück weit sehend.
Dabei gibt es nicht den einen digitalen Zähler. Das Gesetz unterscheidet zwei Gerätetypen, die sich in Funktion und Einsatzbereich deutlich unterscheiden.
Moderne Messeinrichtung oder intelligentes Messsystem – was ist der Unterschied?
Die moderne Messeinrichtung (mME)
mME ist ein digitaler Zähler mit lokalem Display. Sie kommuniziert nicht nach außen – kein Datentransfer, kein Fernablesen. Was sie gegenüber dem alten Ferrariszähler aber durchaus leistet: Sie zeigt den Verbrauch in Echtzeit an, macht Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresverbräuche sichtbar und erlaubt so einen deutlich besseren Überblick als früher. Für Haushalte, die einfach verstehen wollen, wann und wie viel Strom sie verbrauchen, ist das bereits ein echter Mehrwert – ganz ohne Internetanschluss. Sie kommt vor allem in Haushalten mit einem Jahresverbrauch unter 6.000 kWh ohne steuerbare Geräte zum Einsatz.
Das intelligente Messsystem (iMSys)
iMSys geht deutlich weiter. Es besteht aus einem digitalen Zähler plus einer Kommunikationseinheit, dem sogenannten Smart Meter Gateway. Es überträgt Verbrauchsdaten verschlüsselt ans Netz – viertelstündlich, sicher, automatisch. Nur ein iMSys ermöglicht dynamische Stromtarife. Und nur ein iMSys macht Ihren Haushalt steuerbar im Sinne des Netzes.
Was zeigt ein digitaler Stromzähler alles an?
Das hängt vom Gerätetyp ab – aber beide zeigen mehr als der alte Zähler.
Eine moderne Messeinrichtung zeigt den aktuellen Zählerstand in kWh, die momentane Leistungsaufnahme in Kilowatt sowie die angeschlossenen Stromleiter. Dazu speichert sie Verbrauchsdaten gegliedert nach Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- und Zweijahresverbrauch – geschützt durch eine persönliche PIN, sodass nur Sie selbst Einblick haben.
Ein intelligentes Messsystem liefert darüber hinaus zeitaufgelöste Verbrauchswerte in 15-Minuten-Intervallen, getrennte Werte für Bezug und Einspeisung und überträgt alle Daten verschlüsselt automatisch. Damit entfällt auch das manuelle Ablesen – der Zähler meldet sich selbst.
Welches Modell bei Ihnen verbaut ist und wie Sie es bedienen, zeigt Ihnen diese Bedienungsanleitung für Ihr Gerät.
Wann wird der digitale Stromzähler Pflicht?
Der Umbau ist gesetzlich durch das Messstellenbetriebsgesetz geregelt. Ein intelligentes Messsystem ist Pflicht, wenn einer der folgenden Fälle zutrifft:
Jahresstromverbrauch über 6.000 kWh
Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG – also Wärmepumpe, Wallbox oder Klimaanlage
Erzeugungsanlage mit einer installierten Leistung über 7 kW
Wer keinen dieser Fälle erfüllt, bekommt in der Regel zunächst eine moderne Messeinrichtung. Der Rollout läuft schrittweise bis 2032. Im Netzgebiet der Celle-Uelzen Netz GmbH sind bereits mehr als 5.700 intelligente Messsysteme installiert, jährlich kommen rund 5.000 weitere hinzu.
Wer noch kein iMSys hat, aber einen dynamischen Tarif nutzen möchte, kann die Umrüstung aktiv beantragen. Kroll weist dabei ehrlich darauf hin: „Wir messen vor Ort, ob der Empfang einen Einbau technisch erlaubt. Ein Antrag ist daher keine Garantie." Gerade in ländlichen Gebieten kann der Mobilfunkempfang eine Herausforderung sein. Die CUN testet hier bereits die Anbindung über das 450-MHz-Funknetz als ausfallsichere Alternative.
Alle weiteren Details zum Einbau, zu Fristen und zum Antrag auf vorzeitige Umrüstung finden Sie auf der Zählerseite der Celle-Uelzen Netz.
Was kostet ein digitaler Stromzähler im Monat?
Die Kosten sind gesetzlich gedeckelt. Für eine moderne Messeinrichtung liegt die Preisobergrenze derzeit bei 20 Euro pro Jahr, für ein intelligentes Messsystem je nach Verbrauchsstufe zwischen 20 und 130 Euro jährlich. Die Kosten werden über das Messentgelt abgerechnet.
Für Haushalte, die im regulären Rollout umgerüstet werden, entstehen keine zusätzlichen Installationskosten. Wer die Umrüstung auf eigenen Wunsch vorzieht, trägt gegebenenfalls einen Teil der Kosten selbst.
Freie Wahl beim Messstellenbetreiber
Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird: Sie haben als Haushalt die Wahl, wer Ihren Zähler betreibt. Der grundzuständige Messstellenbetreiber übernimmt den Einbau automatisch – er ist gesetzlich verpflichtet, das zu tun. In der Region Celle und Uelzen ist das die Celle-Uelzen Netz GmbH. Alternativ können Sie aber auch einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber beauftragen. Beide Wege sind gesetzlich zulässig – es lohnt sich, die Angebote zu vergleichen.
Den digitalen Stromzähler für dynamische Tarife nutzen
Beim dynamischen Tarif orientiert sich der Arbeitspreis viertelstündlich an den Börsenpreisen. Wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist, fallen die Preise oft deutlich. Wer dann die Waschmaschine startet, den Geschirrspüler laufen lässt oder das E-Auto lädt, nutzt diese günstigen Stunden gezielt.
Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem – ohne iMSys kein dynamischer Tarif. Noch komfortabler wird die Nutzung mit einem Energiemanagementsystem, das den Verbrauch automatisch in günstige Stunden legt.
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